02 - Die Klobuerste
Die Nacht war kurz aber voll romantisch! Vier alte Maenner - und vermutlich ein Baer - in einem kleinen Zimmer. Ich selbst muss wohl auch kurz geschlafen haben, es hat geholfen gleich zwei Ohrenstoepsel in jedes Ohr zu druecken. Und natuerlich dass ich ja schon im Flugzeug nicht geschlafen hatte. Ich glaube wir hatten uns den Wecker auf 5:30 Uhr dreißig gestellt, denn es sollte schon um 7 Uhr mit dem Bus Richtung Skogar losgehen und so blieb nicht viel Zeit. Gepackt hatten wir schon halbwegs den Abend zuvor.
Die Hopp-App meinte es gut mit uns und zeigte genügend Elektro-Roller in der Nähe des Apartments an. Auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört, aber um 6 Uhr früh mit den Elektroroller durch Reykjavik zu fahren war eine unvergessliche Erfahrung. Kaum Leute oder Autos auf den Straßen, ein paare wenige Spaziergaenger, die uns verwundert nachschauen.Es ist noch recht kühl und dunkel und plötzlich fahren da vier Typen in Outdoor Klamotten mit riesigen Rucksäcken auf den Rücken, einer hinter den anderen, durch die schlafende Stadt Richtung Bus Terminal. Ich hätte ja am liebsten alles gefilmt, aber mit einer Hand lässt sich der Roller dann doch eher schlecht fahren, vor allem mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken und der Kamera vor der Brust. Ab und zu müssen wir auf Google Maps schauen wo wir sind und dann brausen wir weiter und parken auf der Rückseite des Bus Terminals.
Bevor wir um die letzte Kurve fahren um am Trailhead anzukommen macht der Fahrer es nochmal spannend und meint wir sollen rückwärts zählen. Der große Wasserfall bei Skogar erscheint bei "0". Der Bus holpert auf den unbefestigten Parkplatz und wir sammeln unsere Rucksäcke ein, die wir jetzt für 6 Tage nicht mehr loswerden. Bevor es gleich erstmal gut 100 Meter über Treppen in die Höhe zu einer Aussichtsplattform geht, machen wir uns unten nass und fotografieren uns und andere Leute vor den Wasserfall.
Unser Reiseleiter Frank T meint es liegen heute 26 Wasserfälle auf unserer Strecke! Unten und bis zum Aussichtspunkt sind echt noch sehr viele Leute hier, aber es verläuft sich mehr und mehr je weiter wir den Berg hinauf marschieren.
Da stecken die ersten Island-Schafe.
Leider schaffe ich es gleich am ersten Tag meine Mütze zu verlieren, welche meine Ohren - und alles was dazwischen liegt - so schön warm gehalten hat auf den vielen Reisen die letzten Jahre. Ich hatte meine wasserfeste Tasche für die Kamera beim fotografieren blöderweise in die selbe Hosentasche gestopft und die dann wohl Stück für Stück rausgezogen bis sie endgültig flüchten konnte. Ich bemerke das allerdings erst kurz vor Wasserfall 26 als wir eine kurze Mittagspause machen und die erste Tüttensuppe mit heißen Wasser füllen. Das Wasser ist hier allerdings noch so kalt dass wir es selber kochen müssen.
MittagGut gestärkt aber ohne Mütze geht es immer höher bis wir den Bach, welcher die vielen Wasserfälle versorgt verlassen müssen. Ab hier gibt es wohl erstmal kein Trinkwasser mehr. An der Brücke steht auch noch ein Schild das hier jemand im reißenden Bach ertrunken ist, wahrscheinlich auch beim Wasser holen.
Es geht also über die Brücke und dann einem gut sichtbaren Pfad entlang, den man vermutlich auch mit Quad oder Schneemobil befahren kann. Wir treffen jetzt immer wieder mal auf das französische Pärchen welches auch mit uns im Bus saß. Super gesprächig sind die beiden aber nicht. Dabei hätte ich sie doch gerne mal gefragt ob sie aus Paris sind.
Weg von den Wasserfällen ist es jetzt weniger spektakulär. Das liegt aber auch daran dass sich der Himmel immer weiter zu zieht und den Blick verbirgt. Irgendwann erreichen wir dann unser erstes Ziel, die Baldvinsskala berghütte. Es sieht mittlerweile aus als würde es gleich regnen. Draußen vor der einfachen kleinen Hütte sitzt eine jüngere Frau und ihr Hund. Sie sagt uns wir sollen uns einen Campingplatz vor oder hinter der Hütte aussuchen und dann können wir zum Essen gerne rein kommen. Wir schaffen es gerade rechtzeitig die Zelte aufzubauen bevor es zu nass wird und bezahlen eine art Eintritt und wären uns drinnen auf während wir das Wasser warm machen. Man kann hier auch Wasser kaufen: 1 Liter für etwa 10 Euro! Wir bleiben bei unserem grauen Gletscher Wasser. Obwohl es in der Hütte einen Gaskocher gibt will die junge Frau das wir unsere Wasser draußen im Vorraum kochen. Warum ist uns nicht ganz klar, aber sie ist der Chef der Hütte hier. Später erfahren wir dass sie zwei Wochen alleine hier draußen bleibt und eigentlich aus Polen kommt. Sie sagt dass es Wasser gibt wenn man weiter den Weg hinauf Richtung der nächsten Hütte läuft, aber dazu hat heute niemand mehr Lust. In Island darf man nicht wie in Schweden wild zelten, sondern muss immer in der Nähe der Berghütten bleiben. Um die Hütte, direkt da wo das Wellblechdach den Boden berührt, gibt es ein paar Stellen ohne größere Steine.
Außerdem gibt es ein Plumpsklo in einer extra Hütte wo zu unserer Verwunderung auch eine Klobürste vorhanden ist. Vermutlich kann man die mit nur extrem langen Armen bedienen. Auch wenn das Glück ein solches Klo benutzen zu dürfen mit oft unerträglichen Geruchs-Eindrücken verbunden ist, so ist es doch besser so, als ganz ohne Schutz vor Wetter oder Moskitos die entsprechenden Turnübungen durchführen zu müssen. Und Mittelwelle ist so ein Tag, denn es ist eine echte Waschküche geworden. Die Zelte sind klitsch nass, aber eben nur von außen.
Die Berghütte sowie die Ankerplätze davor füllen sich weiter und so machen wir relativ schnell den nächsten Wanderern Platz und verziehen uns in unsere Zelte. Kaum habe ich mich in meinen Schlafsack gekuschelt fällt mir ein, dass ich doch meine Regenjacke noch drinnen hängen habe. Also mache ich den langen Reißverschluss meines Schlafsacks auf, den ReisVerschluss vom im Innenzelt, den äußeren Reißverschluss vom Innenzelt, den Reißverschluss vom Aussenzelt auf, Kletterere elegant mit einen leichten stöhnen und schmerzen im Rücken aus dem Zelt heraus, schließe schnell den äußeren Reißverschluss von Innenteile und den vom Außenwelt wieder, damit nichts nass wird und es halbwegs warm bleibt. Zum Glück finde ich meine Regenjacke im Gegensatz der heute schon eingebüßten Mütze noch und stapfe zurück zum Zelt um die Reißverschluss-Orgie andersherum zu wiederholen.














































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